Jede_r dritte Freiwillige bricht ab - was tun?

22.05.2018, 09:07

32 Prozent aller Freiwilligen im BFD brechen ihren Dienst vorzeitig ab- dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei hervor. Die genauen Gründe für ein frühzeitiges Ausscheiden aus dem BFD werden jedoch nicht genannt - unserem Wissen nach werden sie vom Bundesamt auch gar nicht erhoben.

Katrin Werner von der Linksfraktion stellt dann auch fest, dass angesichts dieser Zahlen die Qualität des Dienstes, der Arbeitsbedingungen und des Bildungsprogramms auf den Prüfstand gestellt werden müssten.

Tatsächlich wird in der Öffentlichkeit oft der Vorwurf laut, der Freiwilligendienst als solches sei reines Ausnutzen von jungen Leuten und verdränge reguläre Arbeitsplätze.

Deshalb ist es uns ein Anliegen zu betonen, dass FSJ und BFD mehr als ein „Arbeitsjahr“ sein müssen, hier drückt sich schon allein das Freiwilligendienstgesetz klar aus. Ein Jahr in dessen Zentrum die jungen Menschen stehen, die sich orientieren, ausprobieren oder einfach nur ein Jahr sinnvoll überbrücken wollen.

Wir als Träger von Freiwilligendiensten im gesamten Bistum Aachen haben uns diese Qualitätssicherung im Sinne der Freiwilligen auf die Fahne geschrieben – schon immer und auch gegen den Trend. In dem wir in engem Kontakt mit unseren Einsatzstellen stehen und diese von uns zertifiziert werden, nicht nur wegen eines arbeitsmarktneutralen Einsatzes, sondern um zu gewährleisten, dass ein Freiwilligendienst für alle Parteien ein Gewinn wird. Wir verpflichten unsere Einsatzstellen darüber hinaus jedem und jeder Freiwilligen eine Praxisbegleitung an die Seite zu stellen, die als direkter Ansprechpartner für Sorgen und Probleme in unmittelbarer Nähe zur Verfügung steht.
In unserer Bildungsarbeit – den Kurswochen – setzen wir nicht auf pure Wissensvermittlung. Unsere Teamerinnen und Teamer gestalten die Kurswochen nah an den Bedürfnissen der Freiwilligen, oft genannte Themen wie „Umgang mit Sterben und Tod“ oder „Wertschätzende Autorität im Umgang mit Kindern“ holen die jungen Menschen in ihren ersten Schritten im Praxisalltag ab.

Doch auch wir haben festgestellt, dass 25 Prozent unserer Freiwilligen ihren Dienst vorzeitig beendet haben. Als wir unsere Zahlen näher angeschaut haben, zeigte sich, dass knapp die Hälfte  unserer Abbrecher_innen wegen des Beginns eines Studiums oder einer Ausbildung den Dienst vorzeitig quittieren. Oft überschneiden sich Dienstende und Studienbeginn oder aber der Übergang ist zeitlich so knapp getaktet, dass unsere Freiwilligen die entsprechenden Vorbereitungen wie Umzug oder noch ein kleiner, wohlverdienter Urlaub nach einem Arbeitsjahr nicht schaffen können.

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Deshalb haben wir reagiert und unser Freiwilligenjahr ab dem Kursjahr 2018 einen Monat vorverlegt. Statt dem 1.September beginnt der Freiwilligendienst jetzt bei uns schon am 1. August und endet damit auch einen Monat früher, damit sich freiwilliges Engagement und Ausbildung nicht in die Quere kommen.

Unserer Einschätzung nach braucht der Freiwilligendienst eine stärkere Wertschätzung. Angefangen von einem vergünstigten ÖPNV-Ticket für Freiwillige, für das wir uns zusammen mit unseren Landesverbänden einsetzen. Auch ist es nicht einzusehen, warum Freiwillige noch immer nicht von den Rundfunkgebühren befreit werden. Dies wäre ein erster Schritt, um aufrichtig Danke zu sagen.

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