Erfahrungsberichte unserer Auslandsfreiwilligen

Amélie: Zurück aus Ibaqué, Kolumbien

13.10.2015, 11:51

Hallo aus Deutschland!


Aus Deutschland? Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Mittlerweile bin ich seit gut zwei
Wochen wieder in der Heimat. Heimat – was ist das eigentlich? Ich habe nach diesem Jahr
zwei Orte auf der Welt, an denen ich mich zuhause fühle. Es ist schön das behaupten zu
können, dennoch fehlt einem immer mindestens einer dieser Orte…


Zwischen zwei Welten


Kolumbien fehlt mir, ich glaube sogar, dass ich immer noch mehr dort, als hier in
Deutschland bin. Oft noch liege ich die Nächte wach und verschlafe die Tage. Oft komme
ich zu spät oder bin „zu entspannt“ für den Ein oder Anderen hier im deutschen Alltag. Oft
fehlt mir die Intensität der Gefühle und Emotionen der Momente. Wenn man mich fragt,
was ich aus diesem Jahr für Erfahrungen mitnehme, kann ich nur sagen: „Ne Menge.“. Es
war das Beste meines Lebens. Doch auch zu diesem Jahr gehörten Tiefen.
Gute Freunde, die ich auf unbestimmte Zeit nicht sehe und die mir die kolumbianische
Welt nähergebracht haben, lasse ich zurück. Die Kinder schreiben mir schon jetzt täglich
bei Facebook. Schon verrückt, wie sich das ändert mit der Zeit. Riesige Distanzen
minimieren sich – zumindest etwas. Kolumbien hat mich vor allem sozial und damit
innerlich bereichert.

Abschied und Neubeginn


Ich merke, wie schnell sich das Spanisch wieder verabschiedet. Die Umstellung ging sehr
schnell und im ersten Moment ist es sogar schon befremdlich Spanisch zu sprechen! Jakob
(Freiwilliger DPSG) und ich wollen aber vor dem Studienbeginn noch zur Volkshochschule
und uns die Fremdsprache zertifizieren lassen.
Ein paar Freunde haben mir einen Stick voll von kolumbianischer Musik zum Abschied
geschenkt. Ich habe versucht mir damit das Ankommen in Aachen leichter zu machen. Im
Haus schallt also derzeit fast 24 Stunden Salsa, ein Duft von heißem „Agua Panela“ zieht
durch die Räume und ich erwische mich des Öfteren dabei, wie ich Lust auf Reis habe.
Mein Konto habe ich auch längst abgecheckt – nein, es reicht nicht bis Kolumbien! Aber
man muss ja schließlich Ziele haben.


Neue Wege finden


Manchmal habe ich Angst diese Gelassenheit zu verlieren. Die Zuversicht, dass alles schon
irgendwie klappen wird. Die Leichtigkeit im Alltag. Vielleicht sind diese Eigenschaften und
Werte nicht mit dem deutschen Alltag zu vereinbaren. Vielleicht ist aber auch eben das die
Herausforderung! Ich stelle mir selbst noch ziemlich viele Fragen – viele sind auch noch
unbeantwortet. Ich denke aber, wenn man sich mit den „richtigen“ Menschen in
Verbindung setzt, über Erfahrungen in Zukunft spricht und sich austauscht, sich in Uni,
Stadt und Umfeld für Kolumbien/Lateinamerika interessiert und einsetzt, kann man einen
guten Mittelweg zwischen Kolumbien und Deutschland gehen. Eben den Weg als
„Colombialemana“ („Kolumbianischdeutsche“)!

Ein kolumbianisches Eckchen


Nicht alle verstehen, wie ich mich derzeit fühle, was auch ok ist. Wenn man keine Idee, keine Bilder
zur Geschichte hat, erfindet man sie. Bloß stimmen diese nicht immer mit meinen überein. Teilweise
unterscheiden sie sich auch komplett. Wenn ich aber an richtiger Stelle berichte, bin ich
zuversichtlich auf Verständnis und ehrliches Interesse zu treffen. Sei es auf Seminaren,
Informationsveranstaltungen oder größeren Formaten in der Entwicklungspolitik.
Ich werde sicherlich mein kolumbianisches Eckchen hier in Deutschland finden. Sei es im Fairtrade-Cafe
um die Ecke oder auf dem Vorbereitungsseminar für neue Freiwillige. Es gibt viele Möglichkeiten und zu
100% eine, die ich nutzen werde!


¡Hasta la próxima!
Amélie

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