Erfahrungsberichte unserer Auslandsfreiwilligen

Kolumbien - dritter Bericht von Marjam

02.06.2014, 12:24

„Lo importante es reir, y reir juntos – Das Wichtige ist zu lachen, gemeinsam zu lachen“.
Diese Wandaufschrift, die ich auf meiner Reise durch Kolumbien entdeckt habe, beschreibt die Lebenseinstellung und das Miteinander der Kolumbianer ziemlich gut. Aus diesem Grund wird wahrscheinlich jeder nachvollziehen können, wieso ich dem Ende meines Dienstes hier in Kolumbien wehmütig entgegenschaue. Es liegen noch drei kurze Monate vor mir, bis ich das Land wieder verlassen muss, und ich will noch so viel tun, mitnehmen und genießen. Ich mache mir Gedanken darüber, wie es ist, meiner nun zweiten Heimat den Rücken zu kehren und wieder zurück in Deutschland zu sein.

In den letzten Monaten habe ich viele neue Dinge machen und erleben dürfen. Seit Anfang des Jahres leite ich zwei neue Gruppenstunden. In der Kreativ-Gruppenstunde treffen wir uns jeden Dienstagmittag mit einer Gruppe von Kindern aus Tierra Firme und den anliegenden Barrios im Alter zwischen fünf bis elf Jahren, um gemeinsam Armbänder zu knüpfen, Kreisel zu basteln und weitere Handarbeiten zu erlernen.
Jugendliche können am Dienstagnachmittag mit mir T-shirts, Beutel etc. bedrucken. Die ersten Stunden verbrachten wir damit, den Prozess des Siebdrucks kennen zu lernen und zu verstehen, damit selbständiges Arbeiten möglich ist. Mittlerweile sind die ca. sechs Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren fit und designen eigenständig Motive, die sie später auf ihre Kleidung drucken. Ich mag die Arbeit mit ihnen sehr, denn sie sind aufgeweckte Mädchen und Jungen. Sie wollen viel über das Leben des deutschen Jugendlichen wissen und schildern gleichzeitig viel aus ihrem Leben, so dass beide Seiten die Gewohnheiten der jeweils anderen doch ziemlich unterschiedlichen Kultur kennen lernen können.

Auch die Englischkurse sind weiter positiv verlaufen. Gerade bei der Erwachsenengruppe, die sich anfangs schwer getan und deutlich verkleinert hat, sind kleine Fortschritte zu erkennen. Auch mit ihnen driftet man häufig in Gespräche ab, in denen die Kulturen verglichen und Unterschiede ausdiskutiert werden. Manche Kolumbianer meinen, Europäer sind häufig ungepflegt und riechen unangenehm. Wenn man einen der Gründe für diese Wahrnehmung, aufdeckt und die unterschiedlichen Essgewohnheiten verantwortlich macht, schafft man es, sie vom Gegenteil zu überzeugen.

Wie im letzten Bericht bereits erwähnt, hat die Fundación Ende des letzten Jahres eine Zusage für die Weiterfinanzierung des Projekts „Generaciones Étnicas con Bienestar“ bekommen. Wir arbeiten also weiterhin mit den indigenen Gemeinschaften in mittlerweile drei Dörfern des Südens Tolimas. Die Gemeinschaften in Ortega, eines der beiden Dörfer, die neu dazugekommen sind, haben wir anders angetroffen als Coyaima. Wenn wir uns dort mit den Kindern, Jugendlichen und neuerdings auch deren Eltern versammeln, werden uns Stühle zur Verfügung gestellt. Außerdem waren die Kinder und Jugendlichen weniger schüchtern und viele Erwachsene sehr motiviert.
Aber auch in Coyaima wurde allein in den Monaten, in denen ich die Arbeit begleite, schon viel getan und erreicht. Ich habe den Eindruck, dass die Kinder und Jugendlichen uns nicht mehr so  zurückhaltend entgegentreten und eine deutlich vertrautere Atmosphäre zwischen uns und den Gemeinschaften herrscht. Damit meine ich zum Beispiel die selbstverständlicheren Umarmungen, die uns einige Kinder von sich aus zur Begrüßung schenken. Dennoch gibt es Themen, so wie alles rund um den Bereich Umwelt, bei denen es mir sehr schwierig erscheint, wirklich an die Menschen heranzukommen und ihr Bewusstsein zu verändern.

Inzwischen kann ich mich in diesem Projekt sehr viel mehr integrieren. Zum einen wegen meiner besseren Sprachkenntnisse und zum anderen bin ich inzwischen vertrauter mit den Menschen und habe weniger Hemmungen, auf sie zuzugehen. Nach wie vor fühle ich mich dort total wohl und hoffe, dass eine Weiterfinanzierung möglich sein wird. Das Projekt verursacht relativ viele Kosten, welche die Fundación nicht selber tragen kann. Aus diesem Grund herrscht immer eine gewisse Abhängigkeit vom kolumbianischen Institut für Kinder, Jugendliche und Familien „Bienestar Familiar“. Dies wiederum hat leider viel bürokratischen Aufwand und teilweise fehlende  Autonomie der Fundación zur Folge.

Seit Ende Februar lebe ich außerdem in meiner neuen Wohnung, da es in der alten aufgrund von äußerst „feierlustigen“ Nachbarn nicht mehr auszuhalten war. Die Wohnungssuche war ein wenig langwieriger als erwartet. Da ich knapp zwei Monate lang durch alle anliegenden Barrios spazieren war, kenne ich mich hier nun bestens aus und habe eine wirklich tolle Wohnung gefunden, in der ich mich sehr wohl fühle. In diesem Zeitraum hatte ich meine beste Freundin zu Besuch, die mich einige Wochen bei meinem Dienst begleitete und vieles kennen lernen konnte. Mit ihr und auch später mit dem zweiten Besucher, meinem Freund, hatte ich dann Zeit zum Reisen und habe viel vom Land sehen dürfen. Es war eine ganz andere Zeit als die, die ich zuvor hier in Kolumbien erleben durfte, jedoch ebenso bereichernd und wunderbar wie die vorherigen Monate meines Dienstes. Das Land hat kulturell sowie landschaftlich Wahnsinniges zu bieten und ist unglaublich vielfältig. Doch so sehr sich das Klima, die Landschaft oder die Gewohnheiten in den verschiedenen Regionen auch unterscheiden; die Lebensfreude und die Herzlichkeit der Kolumbianer bleibt nur sehr schwer unbemerkt.

Zurück


Jetzt für ein Auslandsjahr bewerben!

Bewerbungsschluss für die einzelnen Projekte liegt zwischen dem 15. Oktober und dem 30. Januar jeden Jahres. Das heißt, dass Sie sich in der Regel bis zu einem dreiviertel Jahr vor dem gewünschten Einsatztermin bewerben müssen.