Erfahrungsberichte unserer Auslandsfreiwilligen

4. Bericht von Yannik im Movimiento por la Vida, Bogotá

22.12.2014, 11:14

Seit etwa 3 Monaten bin ich wieder zurück in Deutschland. Langsam kann ich sagen, dass ich mich wieder gut eingelebt und wieder in Deutschland Fuß gefasst habe. Die Zeit, seit der ich wieder zurück aus Kolumbien bin, fühlt sich viel länger an und mein Freiwilligendienst ist weit in die Ferne gerückt. In meinem letzten Bericht möchte ich euch erzählen, was ich in meinen letzten Wochen in Kolumbien so alles erlebt und gesehen habe.

Donde esta este fólder?! (dt.: Wo ist dieser Ordner?!)

tl_files/fsd/userdata/ausland/erfahrungsberichte/erf_ber_yannick_4_01.jpgIm Mai bekamen wir Besuch von Diana,einer Auswerterin von Misereor, die zusammen mit dem Movimiento das langjährige Projekt „Educar para la Paz“ (dt.: (Aus-)Bildung für den Frieden), das Misereor schon seit einigen Jahren fördert, bewertet hat. In drei Wochen haben wir sie zu den Gruppenstunden und zu vielen Treffen mit uns nahestehenden Organisationen und Personen begleitet. Da ein großer Teil der Auswertung auch das Prüfen von Dokumenten, Listen etc. war, habe ich zusammen mit Nelly und Sofia alle Ordner der vergangenen Jahre ausfindig gemacht, um sie Diana zu übergeben. Meine Hauptaufgabe war dabei die Systematisierung der Daten, die ich gerne gemacht habe. Ein Hoch auf meinen 10 Finger-Tipp-Kurs! :D

Das Beste kommt zum Schluss!

Getreu nach der Überschrift verlief meine letzte Zeit in Kolumbien. Das heißt aber nicht, dass die Zeit davor schlecht gewesen wäre. Nach meinen ersten eigenen Gruppenstunden in spanischer Sprache durfte ich eigene Workshops planen und weitere Gruppenstunden mit den Kindern und Jugendlichen leiten. Zusammen haben wir zum Beispiel zum Thema „Kritischer Konsum“ gearbeitet.  So haben wir  unter anderem die Jeansproduktion genauer unter die Lupe genommen und über den Einfluss multinationaler Konzerne auf unser alltägliches Leben gesprochen. Die Arbeit in den Gruppenstunden hat mir super viel Spaß gemacht und war ein Höhepunkt während meines Freiwilligendienstes.
Dank der Gruppenstunden konnte ich viele Kinder und Jugendlichen noch näher kennenlernen und gute Freundschaften knüpfen! :)

„Vamos Colombia, vamos Alemania!“

Dieser Satz hat mich den ganzen Juni und Juli in Kolumbien begleitet und zog sich wie ein roter Faden durch die letzten Wochen. Ich meine natürlich die Fußball-WM in Brasilien! Ausnahmezustand in Kolumbien! Die WM in Kolumbien mitzuverfolgen war eine ganz neue Erfahrung! Überall hing die kolumbianische Flagge und jeder trug während der kolumbianischen Spiele ein  Trikot der Nationalmannschaft, die übrigens an jeder Straßenecke verkauft wurden. Nach jedem Tor der kolumbianischen Mannschaft ging ein Jubelschrei durch die Straßen und nach dem ersten Sieg stand Bogotá auf dem Kopf! Tausende waren auf den Straßen und sorgten für eine Mehl geschwängerte  Luft und weiße Gehwege! :) Ich hatte das Gefühl, Kolumbien hätte die WM gewonnen, aber nein es war „nur“ das 1. Gruppenspiel! Diese Glücksgefühle, die die Menschen einen Moment alle Sorgen vergessen ließen, miterleben zu können, war eine tolle, einprägende Erfahrung. Nach der Niederlage im Viertelfinale gegen Brasilien, wurde der torreiche Sieg Deutschlands gegen Brasilien mindestens genauso exzessiv gefeiert. Tanzende Köche und Kassierer waren in dieser Zeit keine Seltenheit!

San Agustin – „Colombia es realismo magico“

tl_files/fsd/userdata/ausland/erfahrungsberichte/erf_ber_yannick_4_02.jpgDer Slogan „Colombia es  realismo magico“ (dt. Kolumbien ist magischer Realismus!) liefert die perfekte Beschreibung für meine Kurztrip in eine längst vergessene Kultur in den grünen Andentälern. Inmitten einer traumhaften Landschaft - geprägt durch grüne Wälder und sich tief hinab stürzende Wasserfälle und fernab der Großstädte liegt San Agustin, ein kleines Dorf in den Anden. Zusammen mit Ariadna habe ich mich auf die Suche nach den uralten Relikten einer bereits seit Jahrhunderten verschwundenen Kultur gemacht. So findet man im archäologischen Park und im Umland, die für diese Region typischen Steinfiguren, die einer unbekannten, uralten, kolumbianischen Kultur entspringen.
Auf unseren Wanderungen haben wir sehr viele nette, hilfsbereite Menschen getroffen, die uns immer wieder geholfen haben, zu den abgelegenen Ausgrabungsstellen zu finden.
Die Reise war ein fantastischer Abschluss meines Kolumbienjahres, an die ich mich noch lange erinnern werde!

La despedida - Der Abschied!

Dank der fantastischen Zeit in Kolumbien viel mir der Abschied von Freunden, meiner Gastfamilie, meinen Kollegen sowie von meinen Kindergruppen besonders schwer. Bis zum Schluss lag der Abschied weit in der Ferne und ich konnte gar nicht glauben, dass ich fast ein komplettes Jahr in Kolumbien war. Auf die Frage „Wer hat an der Uhr gedreht?“ konnte mir bis jetzt leider noch niemand eine Antwort geben. Da sich viele Freunde von mir höchstpersönlich verabschieden wollten, begann mein Abschied bereits eine Woche vor der eigentlichen Ausreise. Schritt für Schritt konnte ich ein wenig mehr von meinem kolumbianischen Leben loslassen. Natürlich freute ich mich auf das Wiedersehen mit meinen Freunden und meiner Familie in Deutschland. Vor allem meinen Großvater, dem es zu dieser Zeit nicht so gut ging, wollte ich besuchen. Aber trotz der Vorfreude auf die Heimat, fiel der Abschied nicht leicht. Erst am Flughafen wurde mir bewusst, dass ich gleich im Flieger sitzen werde und dann Freunde und meine zweite Familie eine lang Zeit nicht mehr sehen werde. Nelly, Clemencia, Mario und Ariadna hatten mich noch zum Flughafen begleitet und nun hieß es „Auf Wiedersehen“ sagen - fürs erste. Und dann ging es auch schon Richtung Flieger. Schließlich wollten Marjam, Konni und ich nicht den Flug verpassen! :)

Rückblickend lässt sich noch sagen, dass mich kein Vorbereitungsseminar auf die Eindrücke und Erfahrungen oder den Kulturschock in Deutschland hätte vorbereiten können. Die eigenen Erfahrungen, die sich in  meinen Kopf verankert haben, sind etwas Besonderes und ich möchte sie nicht mehr missen. Ich denke, abschließend kann ich sagen, dass der Freiwilligendienst mir und meinem Umfeld - sowohl in Kolumbien als auch in Deutschland - einiges abverlangt hat. Aber ich für meinen Teil kann jetzt sagen, dass es sich gelohnt hat, dass ich nichts bereue und, dass ich jederzeit wieder den Schritt wagen würde, ins Ausland zu gehen.

Dank des Jahres durfte ich erleben, was es heißt, sein Leben um 180° zu ändern und sich an die neuen Gegebenheiten vor Ort anzupassen, was es heißt, Ausländer zu sein und wie ich wahrgenommen werde, was es heißt, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen und zu fühlen und was es heißt, in ein fremdes Land zu fliegen, dort zu leben und zurückzukommen mit Freunden fürs Leben, einem 2. Zuhause und 2 Kulturen im Gepäck.

Yo amo Colombia, mi pais, mi gente! (dt.: Ich liebe Kolumbien, mein Land, meine Leute)

… und mit diesem Satz endet mein letzter Bericht.

Euer Yannik

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