Erfahrungsberichte unserer Auslandsfreiwilligen

Joshua: Abschied von Libano, Kolumbien

13.10.2015, 12:01

¡Hola!
Die letzten Monate in Libano waren sehr schnell schon im Voraus durchgeplant, da die knappe
Zeit gut genutzt werden wollte.


Aktion in Líbano: ein Sportfest

Eine Aktivität, die zum Beispiel früh geplant werden musste war das „Festival de deportes“ (Sportfest). Da wir uns vorgenommen hatten eine recht
große Aktivität für viele Kinder und Jugendliche durchzuführen, mussten auch alle Eventualitäten in großem Maßstab geplant werden.
tl_files/fsd/userdata/ausland/erfahrungsberichte/joshua_3_Bericht01.jpgSicherheitshalber haben wir im April ein „Probe-Sportfest“ organisiert, um zu sehen, wo unsere Planung noch
Ungereimtheiten aufwies. Ziemlich schnell wurde an diesem Sonntagnachmittag deutlich, dass wir besser definieren mussten, wie viele Teilnehmer kommen dürfen bzw. wer genau diese sein
sollten. Wir hatten in diesem Augenblick für den Nachmittag mit ca. 40 Spielern geplant, die beim Fußballturnier mitmischen wollten, im Endeffekt tauchten aber ca. 150 Spieler auf.


Die Kunst der Spanischen Sprache

Durch meine fortgeschrittene Sprachentwicklung konnten Roberto und William bzw. alle anderen
mir mehr Verantwortung auftragen. Das bedeutete zum Beispiel, dass ich Formalitäten, wie zum
Beispiel einen Antrag auf Unterstützung beim Sportfest bei der Polizei oder bei der Feuerwehr
selbst ausformulieren und einreichen konnte und diesen Job kein anderer für mich übernehmen
musste. Ein weiterer Vorteil der fortgeschrittenen Sprache ist, dass ich weitere Hintergründe viel
gründlicher und besser verstehen kann. Jetzt kann ich beispielsweise aktuelle nationale
Probleme wie die Auseinandersetzungen zwischen der Guerilla und dem Staat nahezu aus erster
Quelle verstehen und muss diese Informationen nicht aufarbeiten. Das half mir gleichzeitig auch
ungemein im generellen Kontakt mit neuen Menschen. Nach dem fast schon obligatorischen
Small-Talk konnte ich nun in ein tieferes Gespräch einsteigen und auch ein bisschen mehr über
Fußballturnier beim Sportfest meinen Gegenüber erfahren, welche Position Er oder Sie zu gewissen sozialen oder auch politischen Themen hatte, worüber sich seine/ihre Familie sorgte oder was mit ihrem Hund
vergangene Woche passierte. All dies half mir sehr meine Gesprächspartner einzuschätzen und
eventuell auch zu entscheiden, ob ich ihm/ihr vertrauen konnte oder nicht. Jedoch muss ich
dazu auch sagen, dass ich immer noch viel aus dem Bauch heraus entschieden habe.

Das Patenschaftsprojekt

tl_files/fsd/userdata/ausland/erfahrungsberichte/joshua_3_Bericht02.jpgAuch das Patenschaftsprojekt PAE, welches im März diesen Jahres angelaufen ist, konnte ich zum Schluss nun nahezu alleine verwalten und Planungen von Auswertungen oder Besuchen selbst auf die Beine stellen. Ich glaube, dass Roberto darüber sehr froh war, denn somit musste er sich nicht auch noch um die akuten Aufgaben kümmern, die ich als Freiwilliger gut übernehmen konnte.

 

 

Englischunterricht

Die letzten Wochen kamen immer schneller auf mich zu und Roberto bzw. William hatten immer
neue Aufgaben für mich, die ich gerne übernommen habe. So zum Beispiel gab es drei Mädchen,
die vom Land für Ihren Schulabschluss in die Stadt gekommen sind. Auf dem Land gibt es keinen
Englischunterricht, welcher aber in den höheren Jahrgangsstufen vorausgesetzt wird. Meine
Aufgabe bestand nun darin, in wenigen Wochen das intensiv aufzuarbeiten, was den Drei bisher
fehlte. Für mich war es schwierig, in der kurzen Zeit viel auszurichten, da der Englischunterricht
nicht ausschließlich Unterrichtsinhalt war. Daher kamen wir auf die Idee, eine „Nachhilfe“ über
einen längeren Zeitraum - nämlich bis die nächste Freiwillige eintrifft - zu organisieren. Dazu
haben wir aus der kolumbianischen Fachhochschule jemanden gefunden, der nach meiner
Ausreise weiterhin den drei Mädchen Englischunterricht erteilt. Auch für meine zwei eigenen
Englischklassen in Creamos übernehmen die zwei Studentinnen die Überbrückung bis wieder eine
Freiwillige das für die Freiwilligen gedachte Arbeitsfeld übernimmt.

Wahlen in Líbano

Ich glaube, dass sich in den nächsten Monaten generell sehr viel in Libano regen wird, da die
Kommunalwahlen auf das kleine Städtchen zukommen und ein Großteil der Wähler mit dem
amtierenden Bürgermeister nicht zufrieden ist. Dieser sei nicht zuverlässig und hätte bei seiner
Kandidatur nur gelogen, sagte mir eine Reporterin des örtlichen Fernsehsenders TV Libano.
Genau durch diese Unzuverlässigkeit hat sich jedoch einiges getan, zum Beispiel dass es viel
mehr Menschen gibt, die politisch engagiert sind, findet Roberto. Persönlich habe ich sehr großes
Interesse an den ganzen Vorgängen und an der aktuellen Situation, da man - wie ich finde - eine
Umstrukturierung richtig merkt. Das mache ich an den vielen neuen Ideen fest, die neue
Kandidaten einbringen, aber auch daran, dass die Bevölkerung sich in ihren Vierteln zusammen
schließt und beispielsweise Petitionen an die Kandidaten stellt. Diese Aktivität ist zwar nicht nur,
aber zu einem Großteil Roberto zu verdanken, der mit Creamos Präsenz in nahezu allen
Stadtvierteln hat und es in nahezu jedem Viertel „Volksvertreter“ gibt, die mit einer oder zwei
Händen voll Nachbarn die Anliegen des Barrios erkennen und auf Papier niederbringen.
Aus meinem Blickwinkel ist dieser Enthusiasmus vieler Bürger ein gutes Zeichen dafür, dass die
Bevölkerung kein Spielball der Politik mehr ist, sondern dass die Politik immer mehr auf die
Menschen angewiesen ist und dadurch der Begriff Demokratie wieder ein ganz neues Gesicht
bekommt.

Seit Ende Juli bin ich nun wieder in Deutschland und noch dabei mich einzuleben. Gerade habe
ich mit einem FSJ bei den Johannitern begonnen.
Viele Grüße
Joshua

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