Erfahrungsberichte unserer Auslandsfreiwilligen

Joshua: Mein Start

16.10.2015, 10:52

Hallo meine sehr verehrten Damen und Herren.
Mein Name ist Joshua und ich begrüße Sie zu meinem ersten Zwischenbericht aus Kolumbien anlässlich meines SDFV (Sozialer Dienst für Frieden und Versöhnung).  
„ Ich 'weiß' was mich erwartet... Man könnte echt meinen ich wüsste es... Ich weiß es nicht! Ich habe lediglich von einigen sehr liebevollen Menschen ein Bild gemalt bekommen. Wird das Bild sich bewahrheiten? Oder wird es krass anders sein? [...]“. (11.07.2014)
Wie ich in diesem Tagebucheintrag für mich selber festgehalten habe, wusste ich im Voraus prinzipiell worauf ich mich einlasse und was mich erwartet. Jedoch wäre es kein Abenteuer, wenn sich das Bild in meinem Kopf als Wahrheit bestätigen würde und aus diesem Grund bin ich froh, dass sich meine Erwartungen bisher zu 90% nicht bewahrheitet haben.

Mein Start ins Freiwilligenjahr

In den ersten Tagen nach unserer Ankunft gab es glücklicherweise einige Ereignisse, die mir den Einstieg wesentlich erleichterten. Beispielsweise half es mir sehr, dass ich nach ca. vier Tagen mobiles Internet hatte und somit den Kontakt nach Deutschland sofort aufbauen konnte und ich nicht gänzlich aus meinem sozialen Umfeld gerissen wurde. Das half mir persönlich ungemein mit neuen Menschen hier in Kolumbien in Kontakt zu treten, denn auf diese Weise hatte ich immer noch jemanden im Rücken stehen, auf den ich im Notfall meinen Frust abwälzen hätte können.
Im ersten Monat nach der Ausreise absolvierte ich mit anderen Freiwilligen einen 80-stündigen Intensivsprachkurs. Nach diesem war ich in der Lage, mich ohne fremde Hilfe zurechtzufinden. Jedoch reichte es nicht, um mit 50 Kindern gleichzeitig zu arbeiten und daher lerne ich nun morgens nach dem Aufstehen für ca. 15-20 Minuten Spanisch. Den Rest lerne ich durch ständiges nachfragen und ständiges ausprobieren neuer Redewendungen und Phrasen. Insgesamt würde ich meinen ersten Eindruck als gigantisch und unvorstellbar schön beschreiben. Eine große Rolle dabei spielten auch die ersten Menschen, mit denen ich in Kontakt trat bzw. treten musste. Ihre warmherzigen und liebevollen Persönlichkeiten umsorgten uns Freiwillige permanent, sodass ich das Gefühl hatte von einigen bemuttert zu werden, was in mir ein Gefühl des Wohlbefindens ausgelöst hat.

Vorbereitung meiner eigenen Projektidee

tl_files/fsd/userdata/ausland/erfahrungsberichte/mein_start_joshua_00.jpgZu meinen Aufgaben hier in Kolumbien gehört primär die Arbeit in der Fundación Hogar del Niño. In der Fundación leben zurzeit 12 Kinder und Jugendliche intern und tagsüber kommen ca. 40 weitere Jungen und Mädchen.  Zu Beginn meiner Arbeit hier habe ich von meinem Chef eine kleine Einführung bekommen. Er sagte mir, dass wenn es etwas zu besprechen gäbe, ich mich jederzeit an jeden wenden könne. Mittlerweile weiß ich, wen ich was fragen kann. Meine Mitarbeit bestand in den ersten Wochen hauptsächlich aus zuhören und begleiten.


In der Fundación werde ich bis jetzt noch nicht in feste Aufgaben eingespannt und auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass ich erst im nächsten Schuljahr in einer Schule Englisch-Unterricht geben soll. Das nahm ich zum Anlass meine eigene Projekt-Idee vorzubereiten. Diese stellte ich anschließend meinem Chef, der Präsidentin der Fundación und einigen Personen der Organisation Bienestar Familiar (kolumbianisches Jugendamt) vor. Meine Idee wurde mit Begeisterung angenommen und somit erarbeite ich mir momentan meitl_files/fsd/userdata/ausland/erfahrungsberichte/mein_start_joshua_01.jpgn eigenes Aufgabenfeld. Das oben genannte Projekt ist keine eigene Kreation meinerseits sondern die Idee mit den Kindern und Jugendlichen das deutsche Sportabzeichen zu absolvieren. Jedoch braucht es einiges an Planung und Vorbereitung, um das Projekt mit Erfolg in die Tat umzusetzen. Zu meiner Vorbereitung darauf gehörte, mich nicht nur mit den Trainingszielen des Sportabzeichens auseinander zu setzen, sondern auch eine zweite Intention zu erarbeiten, die einen pädagogischen Aspekt abdeckt. Mein Ziel dabei ist es, den Kindern und Jugendlichen eine ausdauernde Motivation, Teamfähigkeit und Disziplin näher zu bringen denn dies sind Eigenschaften, die in viele Lebensbereiche übertragbar sind. Ich hoffe dieses Ziel im April 2015 erreichen und abschließen zu können. Nach Absprache werden meine Kolleginnen und Kollegen mich auch darin unterstützen. 

Das Weihnachtsprojekt

Des Weiteren habe ich auf eine Anregung aus Deutschland ein anderes etwas kleineres, jedoch genauso wertvolles Projekt in die Wege geleitet. Unter dem Aspekt Weihnachten wird es in den nächsten 5-6 Wochen in meiner Heimat-Gemeinde Sankt Laurentius Odenkirchen für Privatpersonen möglich sein für Weihnachtsgeschenke an die Kinder zu spenden. Jeder Spender wird sich im Pfarrbüro in einer Liste eintragen können, um nach den Feiertagen Danksagungen aus Kolumbien zu erhalten. Darüber hinaus wird die Kollekte vom dritten Adventssonntag für dieses Projekt bestimmt sein. Von dem Geld werden dann hier vor Ort Geschenke gekauft, da der Versand aus Deutschland zu kostspielig wäre.

Bei CREAMOS

In meiner sekundären Arbeitsstelle Creamos Asocombas sind meine Aufgaben schon genauer definiert. Da ich nur an zwei Tagen in der Woche dort arbeite, ist die Zeit dort sehr knapp und ich bemühe mich sehr diese gut durchzuplanen, um sie effektiv nutzen zu können. Freitags halte ich gemeinsam mit der Psychologin aus Creamos Asocombas eine mehrstündige Unterrichtseinheit ab, in der wir verschiedene Themen bearbeiten Unter anderem sind diese Englisch-Unterricht, Gesellschaftskunde, Methodentraining und Aufklärung. Samstags gebe ich für SchülerInnen einer Grundschule und danach für SchülerInnen einer weiterführenden Schule Englisch-Unterricht. Neben der Sprachlehre versuche ich auch dort Teile der Gesellschaftslehre und Lernmethoden in den Unterricht mit einfließen zu lassen. Die Freitagsstunde in Creamos Asocombas besuchen regelmäßig 8 Jungen und Mädchen, samstags sind es 30 und mehr. Neben Kindern und Jugendlichen kann ich bei Creamos Asocombas auch Erwachsene erreichen.

Intensive Gefühle, Wünsche und Ungereimtheiten

Ich habe in den ersten Monaten verschiedenste intensive Gefühle von Einsamkeit bis hin zu Überschwänglichkeit gehabt. Darauf haben unsere Teamer uns auf unseren Seminaren vorbereitet und ich habe auch dazu viele Methoden, mit denen ich mich schützen kann. Im Großen und Ganzen komme ich sehr gut mit allen hier zurecht, was unter anderem auch an der Warmherzigkeit jedes Einzelnen hier liegt. Trotzdem wünsche ich mir mehr Kontakte neben der Arbeit und Freunde in Libano, denen ich mich anvertrauen kann.
Abgesehen von einigen Ungereimtheiten im privaten Bereich hatte ich ab und zu Schwierigkeiten in meiner Arbeitsstelle. Ich habe Probleme mit der für meine Verhältnisse hohen Gewaltbereitschaft und Aggressivität umzugehen. Ich suche zur Bewältigung immer wieder das Gespräch zu meinen Kollegen. Jedoch können diese mir - genauso wie meine Eltern, die für mich die ersten Ansprechpartner zu diesem Thema waren - nur sagen, dass es für einen jungen Mann, der kein Studium in Pädagogik oder Erziehungswissenschaften absolviert hat, sehr schwierig ist etwas auszurichten. Zumal ich nur elf Monate dazu Zeit hätte. Damit umzugehen muss ich mir selber beibringen und daher bin ich froh, dass ich mir vor dem Jahr Methoden angeeignet habe ein Problem alleine anzugehen.
Mit meiner Entsendeorganisation habe ich per e-Mail und Skype Kontakt. Die Kommunikation stimmt absolut, denn ich habe nicht das Gefühl, dass sie mich bevormunden. Lediglich an einer Stelle haben sie mir einen guten Rat in Bezug auf meinen Blog erteilt, den ich anfangs als Zensur aufgefasst habe, jedoch nach Rückfragen und einem klärenden Gespräch als einen Hinweis interpretieren konnte.

Anregungen geben und Erfahrungen sammeln

Mit meinem Dienst verfolge ich mehrere Ziele. Vor allem versuche ich meine Arbeit gewissenhaft und sorgfältig auszuüben, damit daraus ein Ergebnis resultiert, mit welchem weiter gearbeitet werden kann und meine Arbeit nicht zu mehr Arbeit für meine Kollegen führt. Ich persönlich kann nicht davon sprechen, dass ich helfe. Das möchte ich auch gar nicht. Ich möchte, dass durch meine Hilfestellung und Anregung die Kinder und Jugendlichen ihren Entwicklungsprozess selber gestalten können. Ich glaube, dass meine Mitarbeit in der Fundación und in Creamos Asocombas mit der Zeit immer mehr Gewicht bekommt und ich somit nach und nach eine Bereicherung für alle sein kann. Auch habe ich bis zu diesem Zeitpunkt so viel erfahren und mitnehmen können, dass allein die ersten drei Monate für mich unbezahlbar sind und ich diese gegen nichts eintauschen wollen würde.
Für mich persönlich versuche ich möglichst gut Spanisch zu lernen, weitere Erfahrungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen zu sammeln und meine Projekt-Idee umzusetzen, sodass die Kinder und Jugendlichen auch etwas davon mitnehmen können. Nebenbei möchte ich möglichst viele Traditionen und die kolumbianische Kultur kennenlernen, damit ich in Deutschland darüber berichten und meinen Teil zur Vorurteilsbekämpfung beitragen kann. Ich möchte auch den Menschen, die nicht die Möglichkeit bekommen ein Jahr ihres Lebens in Kolumbien zu verbringen, erzählen wie es mir ergeht und was das Auslandsjahr für mich bedeutet. Zu diesem Zweck habe ich einen Blog in dem ich mindestens einmal in der Woche versuche einen Beitrag zu veröffentlichen.
( www.ano-en-el-extranjero-kalieber.webnode.com )

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Bewerbungsschluss für die einzelnen Projekte liegt zwischen dem 15. Oktober und dem 30. Januar jeden Jahres. Das heißt, dass Sie sich in der Regel bis zu einem dreiviertel Jahr vor dem gewünschten Einsatztermin bewerben müssen.