Erfahrungsberichte unserer Auslandsfreiwilligen

Zweiter Bericht von Selena, Bogotá, Kolumbien

25.08.2015, 10:31

Zwischenauswertung und Herumreisen

Buenos días amigos! Mittlerweile sind schon wieder ein paar Monate seit dem letzten Bericht vergangen und es ist höchste Zeit für den nächsten. Wie ich zu sagen pflege: Die Zeit rast hier im Affentempo vorbei und man kommt ab und zu nicht mehr ganz hinterher. Auch diesmal möchte ich ein bisschen von meiner Arbeit, meinen Reisen und meinem Leben in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá erzählen. Aber, eins nach dem anderen!

Die Sprache
Um an den ersten Bericht anzuknüpfen, nochmal eine kleine Einschätzung, wie es mit den spanischen Sprachkenntnissen aussieht. Mittlerweile sind Alltagsgespräche eigentlich kein Problem mehr, allerdings merke ich dann auch schnell bei Seminaren und politischen Inhalten - wenn es also wissenschaftlicher und förmlicher wird - dass mir eindeutig noch Grenzen gesetzt sind. Um das zu beheben, versuche ich weiterhin, mir alle unbekannten Wörter zu merken, nachzufragen, wenn ich etwas nicht verstehe und zu Hause ab und zu kleine Zettel mit dem spanischen Wort und seiner deutschen Bedeutung aufzuhängen. Das funktioniert bis jetzt ganz gut und ich bin optimistisch, dass ich auch in nächster Zeit noch viel verstehen lernen werde.

Das Auswertungsseminar in Ecuador
tl_files/fsd/userdata/ausland/aktuelles/02_sel_02.jpgAm 01. Januar 2015 reisten wir vier Kolumbienfreiwillige nach Quito, denn das Zwischenauswertungsseminar in Baños stand an. Drei Tage erkundeten wir gemeinsam die nicht ganz so chaotische Stadt Quito, spazierten durch die Altstadt, fuhren auf den Stadtberg Panecillo und aßen typisch ecuadorianische Gerichte. Die folgende Woche verbrachten wir mit rund 15 anderen Freiwilligen aus Peru und Ecuador, um unsere bisherige Zeit im Ausland auszuwerten, uns über Probleme auszutauschen und zu versuchen, zu verstehen, was wir bisher alles über Land und Leute gesehen, gehört und wahrgenommen haben. Außerdem beschäftigten wir uns damit, wie wir als Freiwillige im jeweiligen Land wahrgenommen werden/werden können und welche Vorhaben und Ziele wir für das noch verbleibende halbe Jahr haben. Insgesamt unterhielten wir uns viel, lernten die Projekte der anderen kennen und konnten uns das ein oder andere Mal untereinander bei kleinen Problemchen helfen.
Für mich war die Erfahrung sehr spannend und hilfreich, denn wer setzt sich schon in seinem jeweiligen neuen Zuhause hin und reflektiert bewusst über die Zeit, die er bis jetzt im Ausland verbracht hat?

Auswertung 2.0
Man kann mit gutem Gewissen sagen, dass der Januar bei uns der Monat der Auswertungen war, denn am Tag nach der Rückkehr aus Ecuador startete direkt eine zweite Reflexion. Diesmal in kleineren Rahmen hier in Bogotá, d.h. nur mit uns vier Freiwilligen aus Kolumbien, unseren Arbeitskollegen und den Verantwortlichen aus Deutschland.
Wir sprachen über die aktuelle politische Situation in Kolumbien hinsichtlich der Arbeit unserer Organisationen mit Kindern und Jugendlichen, rückblickend über die Vorbereitung in Deutschland und die ersten Monate, den Einstieg in die Arbeit in Kolumbien. Durch diese Zusammenkunft im kleinen Rahmen, konnten wir sehr persönlich über unsere Erfahrungen sprechen und über Verbesserungsmöglichkeiten z.B. für die Arbeit, den Sprachkurs oder die Ankunft direkt mit den Verantwortlichen nachdenken. Aber nicht nur stundenlange Gespräche - alles lief auf Spanisch - standen auf dem Programm, sondern auch etwas „Spaß“. Wir machten einen eintägigen Ausflug mit einer Wanderung zu einem 500 Meter hohen Wasserfall, besuchten Künstler, die letztes Jahr einen Workshop in Aachen hatten, lernten einen Bischof aus Bogotá kennen, der sehr aktiv an den aktuellen Friedensverhandlungen teilnimmt und tanzten bei einem Konzert!
tl_files/fsd/userdata/ausland/aktuelles/02_sel_01.jpgNach dem gemeinsamen Teil in Bogotá fuhren Amélie und Jakob zurück nach Ibagué und Joshua nach Líbano. Da noch einige Tage übrig blieben bis zur Rückkehr der Besucher aus Deutschland, konnten wir mit Nelly und Mirijam noch einiges erleben. Wir besuchten die Eltern des aktuellen Freiwilligen Leonardo, der gerade ein FSJ in Aachen macht und nahmen an einer Graffiti-Tour durch Bogotás Zentrum teil.
Danach hieß es auch schon wieder Abschied nehmen und willkommen zurück im Alltag.

Die Arbeit im Movimiento por la Vida
Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich momentan keinen fest geregelten Tagesablauf habe, sondern dass es vielmehr viele verschiedene Dinge zu erledigen gibt. Zu Jahresbeginn sind wir als Organisation in einer „Zwischenphase“, in der es darum geht, Projekte neu zu planen. Was ist seit November also so passiert? Einmal gab es die Zwischenauswertung hier in Bogotá, die organisiert werden wollte, danach galt es, ein ausführliches Protokoll auf Spanisch zu erstellen und im Februar stattete uns der Bischof aus Aachen mit seinen Begleitern einen Besuch im Movimiento ab, um die Organisationen kennenzulernen und sich mit uns über die aktuelle politische Lage in Kolumbien zu unterhalten.

Im gleichen Monat begann der Auswahlprozess für den/die neueN FreiwilligeN aus Bogotá. Dafür lasen wir Bewerbungen, führten Vorstellungsgespräche durch und wählten schlussendlich eine Mitarbeiterin vom Movimiento aus, die ab August dieses Jahres in Aachen bei der KjG und dem BDKJ einen Freiwilligendienst leisten wird. Des Weiteren ist es ab jetzt eine meiner Aufgaben, die neue Freiwillige aus Kolumbien auf ihren Freiwilligendienst in Deutschland vorzubereiten, gemeinsam Behördengänge zu erledigen, ein bisschen beim Deutschlernen unter die Arme zu greifen und als Ansprechpartner für Fragen zur Seite zu stehen.
Als ständige Aufgaben besteht weiterhin das Neudesign des Spieles, das ich gemeinsam mit einem Mitarbeiter seit einiger Zeit erarbeite. Wir sind nun an der letzten Phase angelangt, die Idee und das Konzept stehen und jetzt fehlen noch die tatsächliche Umsetzung und die Herstellung des Spielbretts, das Design der Karten etc.

tl_files/fsd/userdata/ausland/aktuelles/02_sel_03.jpgAußerdem fing im letzten Monat wieder die Samstagsschule an, die ich bereits seit letztem Jahr mit begleite. In diesem Modul soll es darum gehen, die Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren auf ihren Sozialdienst vorzubereiten der ist hier in Kolumbien während der Schulzeit Pflicht - und diesen in einem Jugendzentrum in Ciudad Bolívar umzusetzen und gemeinsam Aktionen - wie zum Beispiel das Herstellen eines Graffitis mit Kindern und Jugendlichen aus dem Stadtviertel zu realisieren.
Zuletzt bin ich mittlerweile verantwortlich für das „Semillero“ von Tunjuelito, eine Gruppe von 10 bis 15 Jugendlichen, die sich jeden Montag treffen und gemeinsam verschiedene Projekte realisieren. Gerade sind wir dabei, zu versuchen, eine Art Radiosender auf die Beine zu stellen, für den die Jugendliche Beiträge erarbeiten, aber auch Videos filmen wollen - gerade zum Beispiel zum Thema „Kindheit in verschiedenen Zeiten“, um diese zu veröffentlichen.
So sieht momentan mehr oder weniger meine Arbeit hier im Movimiento aus. Hinzukommen auch ab und zu Behördengänge, Seminare oder auch - wie vor ein paar Tagen - der Besuch in der deutschen Botschaft hier in Bogotá.

Die Freiheit des Reisens
Auch in den letzten Monaten hatte ich die Möglichkeit, einige Reisen zu unternehmen - auch wegen den langen Schul- und Semesterferien zwischen Dezember und Februar, in denen die laufenden Projekte ruhten, da in dieser Zeit fast jeder seine Familie in anderen Teilen Kolumbiens besucht.
Nach Weihnachten fuhren wir mit Freunden von mir aus Bogotá und den anderen Freiwilligen nach Tobia zelten, im Januar stand dann die Reise nach Ecuador an und im Februar kamen wir nach einer 20 Stunden langen Busfahrt beim berühmten Karneval in Barranquilla an. Ich habe mittlerweile so viele verschiedene Eindrücke von diesem Land namens Kolumbien bekommen, dass ich sie alle niemals auf zwei, drei Seiten annähernd zusammenfassen könnte.

Anfang März kam dann Besuch aus der Heimat am Flughafen in Bogotá an - meine Mutter. Insgesamt verbrachten wir einen Monat gemeinsam, von dem wir zwei Wochen in Bogotá blieben und sie meine Freunde und Arbeitskollegen kennenlernen konnte. Die restliche Zeit reisten wir durchs Land nach Cartagena, Santa Marta, zelteten im Nationalpark Tayrona und erkundeten die moderne Stadt Medellín in Antioquía.

Es war für mich sehr schön, jemandem aus Deutschland meine zweite Heimat hier in Kolumbien zeigen und etwas erklären zu können, weil Erzählungen via Telefonat dann doch oft sehr fremd sind und keinen authentischen Eindruck über Land und Leute erwecken können.

Und noch muss ich noch einmal betonen, was es für eine unglaubliche Möglichkeit ist, ein anderes Land so kennenlernen zu können, viele einzelne Geschichten erzählt zu bekommen und sich einen eigenen Eindruck - fernab dem Wissen, was man über deutsche Medien über Lateinamerika hat - machen zu können.

So viel soll es erst einmal gewesen sein. Wir hören dann in rund drei Monaten wieder voneinander.

Eure Selena

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